Oh wie wohl war uns am Wochenend…

Abseits der „normalen“ Radmessen hat sich mit der Berliner Fahrradschau eine Veranstaltung der etwas anderen Art etabliert. Die Macher richten ihren Hauptaugenmerk auf den frischen Wind neuer, unabhängiger Unternehmen, der seit einiger Zeit die Radkultur erfasst. Von der Mode über Zubehör bis zum Rahmenbau, alle Facetten des urbanen Radlebens und des damit verbundenen Lebensgefühls werden in der passenden Atmosphäre des Berliner Alten Bahnhofs am Gleisdreieck dem interessierten Publikum kompetent präsentiert.

Im Vorfeld machte uns die beachtliche Ausstellerliste mit einer wilden Mischung aus etablierten Firmen, Vertretern der Fahrrad-Subkultur und jungen Unternehmen mit innovativen Ideen für unsere große Leidenschaft neugierig genug, um ein Wochenende in Berlin zu planen. Ob Kompletträder von der Stange, für einen größeren Markt konzipierte „Retro-Trendbikes“, individuelle Aufbauten oder reduzierte Fixie/Singlespeeder, alles war reichlich vertreten.

Der wilde Mix in den Hallen tat der Stimmung gut, der vollbedruckte, gepiercte Bikepolospieler hockte mittags gut gelaunt plaudernd neben dem ambitionierten Reiseradler auf den Sitzbänken des leckeren Bio-Caterers. Ganz im Sinne von „Radfahrer aller Länder und Kulturen, vereinigt Euch!“. Und esst was Gesundes.

Während unserer Streifzüge entlang der vielen kleinen Stände sprangen uns immer wieder neue Firmen mit interessanten Produkten ins Auge. Da wir ja keinerlei Vorbehalte vor „alter“ Technik haben, hat uns „Retroshift“ besonders gut gefallen: ein mit indexierten Rahmenschalthebeln arbeitendes System, wobei die Hebel vorne am Bremsgriff befestigt werden. Vorteil: robust, schmutzunempfindlich und relativ günstig im Vergleich zum normalen Schremshebel. Gut geeignet für rustikales Cyclecrossmaterial.

Viele Aussteller beschäftigten sich in Berlin mit dem Thema Radsportmode in den unterschiedlichsten Varianten. Vom funktionalen Sportdress bis zum radtauglichen Tweedanzug wurde alles geboten, was der Radfahrer tragen kann oder soll. Hier gab es neben dem immer smart wirkenden Rapha-Stand auch tolle Sachen von der englischen Marke SWRVE zu sehen, die stilsichere radtaugliche Mode anbietet. Gute, modern geschnittene Jeans und Stoffhosen, die sowohl vom Materialmix als auch in den Detaillösungen überzeugen konnten.

In Zeiten, in denen Multis wie H&M hipsterkompatible Radmode mit ökologischem Ansatz anbieten wollen, aber in der Umsetzung scheitern, freut man sich, auch ein feines, noch kleines Unternehmen aus deutschen Landen zu entdecken, das wirklich innovativ und ökologisch arbeitet: twotwotwo, sprich triple two. In deren Sortiment finden sowohl sportlich orientierte FahrerInnen, als auch urbanen Großstadtpedaleure durchdachte Entwürfe, alltagstauglich und individuell umgesetzt.

Schöne Dinge in Hülle und Fülle gab’s auch bei „pedaled“, „bicicletta“, „8bar“, „standert berlin“ und „cicli berlinetta“ zu sehen, kurzum: wir fühlten uns auf der Berliner Fahrrad Schau pudelwohl.

Doch nicht nur die kommerzielle Stände, auch das Rahmenprogramm bot die unterschiedlichsten Attraktionen wie eine liebevoll gemachte Retro-MTB-Ausstellung mit beeindruckenden Exponaten, diverse Bikeparcours für BMX Freestyle, MTB-Hindernis-Rundkursrennen und eine Mini-Bahn für die Fixie-2er-Verfolgungsjagd.

Darüber hinaus haben die Macher der Messe mit dem „BFS Fame Frame Award“ einen originellen Rahmenbauwettbewerb ins Leben gerufen. Überall in den Hallen verteilt standen mit Schleifen versehene Räder, die von ihren Erbauern ins Rennen um das schönste Rad der Messe geschickt wurden. Entschieden wurde die Wahl durch alle Besucher der Messe, die mit einem Stimmzettel ihren Favoriten küren konnten. Wir müssen gestehen, dass unsere Favoriten dieses Wettbewerbs sich fast alle im Umfeld des Rapha-Standes tummelten, Organisator Ken Bloomer von Crema Cycles hat hier einen wirklich guten Job gemacht. Namen? Vogel. Vandeyk. Zullo. Cielo.

Äußerst positiv ist uns bei allen Ausstellern aufgefallen, dass die Leidenschaft für das, was sie anbieten, die Leidenschaft für das Fahrrad als Sportgerät oder als innerstädtisches Verkehrskonzept, im Vordergrund steht. Wir hatten den Eindruck, dass sich in Berlin viele Menschen eingefunden haben, die sich gerne mit dem Rad in seinen unterschiedlichsten Formen auseinander setzen. Und optimistisch in die Zukunft sehen.

Wie wir auch.

Allzeit gute und stilvolle Fahrt wünscht

Eure Klassikermannschaft

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