Der Klassiker für Klassiker – Ausfahrt und Börse in Rommerskirchen

Wir stellen fest: die Rommerskirchener Rennradbörse für Klassiker ist selbst einer geworden. Unfassbar, wie viele Sammler und Neugierige einmal im Jahr das Örtchen im Schatten der Wolkenmaschinen erobern. Sicherlich können einige Einheimischen es bis heute nicht verstehen, warum sich so viele Menschen alten Fahrradkrempel ansehen und dafür manchmal sogar richtig tief in die Tasche greifen. Aber die Szene kommt, oft sogar vor ganz weit her angereist.

Während am Samstagmittag die ersten Stände vor der alten Schule in Nettesheim aufgebaut wurden, führten gewiefte Jäger und Sammler bereits munter Preisverhandlungen mit den Verkäufern. Hillary Stone, immer und überall dabei, wenn alte Räder und Teile zu verkaufen sind, zückte des Öfteren sein Geldbündel, um ein gesuchtes Teil zu erwerben. Wir blieben entspannt, schließlich wollten wir in erster Linie fahren. Und uns um unsere Gäste kümmern.

Die kamen denn auch zahlreich, um mit uns die Wirtschaftswege zwischen Düsseldorf, Grevenbroich und Köln zu erobern. So zahlreich, dass wir mit unserer Anmeldeprozedur sogar für eine ordentliche Schlangenbildung verantwortlich waren. Dies führte schließlich zu einer Verzögerung der Startzeiten, wobei alle das völlig entspannt sahen, schließlich wartete ja niemand auf uns.

Um andere Verkehrsteilnehmer nicht komplett zu überfordern, wurde das Peloton wie in den Vorjahren in zwei Gruppen unterteilt. Die schnelle Espresso-Gruppe machte sich um 15:15 Uhr auf den Weg, unsere Cappuccino-Runde startete 10 Minuten später. Während die Espressos gewohnt souverän durch die Felder schossen, musste Grupetto Cappuccino erstmal den richtigen Groove finden. Die ersten 5 km rollte es sich noch locker und flott an den Wolkenmaschinen vorbei, aber am Fuß des Vollrather Höhenzugs, der das flache Terrain auf der einen Seite vom flachen Terrain auf der anderen Seite trennt, mussten zwei Klassikernovizen dem offenbar unerwarteten Tempo Tribut zollen und wurden bedingt durch abenteuerliches Material und eine undankbare Schuh-Pedalkombination fluchend und mit Fußkrämpfen auf eigenen Wunsch zurückgelassen.

Am einzigen Asphalthubbel der gesamten Tour gab es dann noch ein weiteres Opfer zu verzeichnen. Eine Schaltung italienischer Bauart wurde durch rasante Schaltvorgänge und knackigen Antritt überfordert, so dass sich der Schaltzug einen neuen Weg suchte. Dieser Defekt wurde vorübergehend verdrängt, Schalten wird manchmal ja auch einfach überbewertet. Nach dem Rauf kam das Runter, das lief dann auch schön flüssig. Unsere Erfahrung der letzten Jahre: Runter kommen sie immer.

Damit die Tour nicht so langweilig wurde, starteten wir kurz nach der Abfahrt mit einer kleinen Plattensammlung. Den Auftakt übernahm das Team der Klassikerausfahrt. Als nach herzhafter Hilfe eines Mitfahrers diese Panne in Rekordzeit behoben war, fuhr das Peloton davon. Naja, nicht das gesamte Peloton. Das italienische Schaltwerk hatte jetzt gar keine Lust mehr und der Schaltzug hing mal einfach so rum. Das konnte man sich nicht bieten lassen, mit vereinten Kräften zwangen Fahrer und abgestellter Wasserträger Zug und Schaltwerk wieder „auf Linie“. Allerdings verdarb jetzt ein weiterer Zug das Spiel: Die Bundesbahn ließ die Schranke runter und schnitt somit die Verlorenen des Pelotons komplett ab. Kaum war die Schranke wieder oben, folgte eine kleine kurze Aufholjagd.

Das Peloton wartete nur 800m entfernt und glücklich vereint rollten wir gemeinsam weiter. Bis zur ersten Schotterpassage, da machten wir dann mit der Plattensammlung weiter. Und gönnten uns den besonderen Luxus eines Doppelplattens, beim Aufpumpen von Numero Uno wurde einfach das XXXXL-Ventil abgebrochen. Tja, so ist das halt bei Hobbyfahrerausfahrten, das Material wird nicht geschont. Nebenbei kam mal die Frage auf, gegen wie viele „Rules“ wir seit Start schon verstoßen haben. Antwort: Unzählige.

Solch eine Pannenserie hat auch seine guten Seiten: Wir erreichten zwischen buddhistischer Meditation und völliger Ignoranz einen Zustand totaler Entspannung. Fortan konnte uns nichts mehr auf dieser unserer Reise aus dem Gleichgewicht bringen. Wir waren tiefenentspannt.

Die folgende Passage bis zum Verpflegungspunkt, dem Café Kischken, das bald Café Meisenkaiser heißt, ging dann tatsächlich ohne Pannen von statten, allerdings wurde ein Fahrer mit aktuellem All-Terrain-Material an seine Grenzen des mit Breitreifen Machbaren gebracht. Auch hier wurde ein Wasserträger zurückgelassen, um immer wieder Versuche zu starten, den hart kämpfenden Sportler im belgischen Trikot ans Peloton zu fahren. Allerdings konnten weder dämliche Motivationssprüche noch Klugscheißerei positiven Einfluss ausüben.

Angesichts der Raketenstation fuhren einige Fahrer einfach an der Verpflegungsstation vorbei, wahrscheinlich weil ihnen ein Stopp zu unheroisch erschien. Die Begleitcrew fing sie aber ganz unerbittlich wieder ein und konnte damit die Revolte vermeiden. Just in dem Augenblick, als wir Cappuccinos ankamen, verließen die schnellen Espressos bereits wieder die gedeckten Tische, um mit rasantem Tempo gen Rommerskirchen zu preschen. Netterweise waren die Portionen des Cafés so üppig bemessen, dass auch der Hunger unserer Gruppe gestillt werden konnte. Großes Kompliment an den Chefkoch: das war alles richtig lecker. Wir kommen wieder. Öfter.

Die Rückreise verlief relativ unspektakulär, der ATB-Pilot musste sich ne weitere Stunde „Lächle, du Sau“ anhören, dann zog er die Reißleine und fuhr mit Kumpel, aber ohne Domestiken weiter. Der Rest der Gruppe kannte kein Pardon und keine Angst, selbst der abenteuerliche Hohlweg wurde ohne weitere Ankündigung, Bedenken und Zaudern vom gesamten Team durchfahren. Im Ziel an der alten Schule gab’s dann breites Grinsen auf mehr als dreißig Gesichtern, alle hatten Spaß und freuten sich auf den anschließenden Plausch beim Grillen. Und das zugehörige Bier. Und der Held mit dem ATB und sein Klassikerkumpel trafen auch noch pünktlich zur Bratwurst ein.

Am folgenden Sonntag platzte Rommerskirchen aus allen Nähten, unzählige Besucher schlenderten über den Teilemarkt, genossen Sonne, Kaffee, Atmosphäre und olle Räder. Und sicherlich wurden wieder einige Besucher von der Materie Rennrad angefixt, die sich schon jetzt auf den Termin 2015 freuen. Und dann hoffentlich am Samstag mit uns zu „Rund um Rommerskirchen“ starten. Mit blitzsauberen Rädern. Und lernen, dass der Teufel manchmal im Detail steckt.

Bis dahin fahren wir alle wie verrückt über alle möglichen Wege, basteln an den alten Rädern rum und hoffen, dass alles hält. Wenn nicht, ist auch egal. Irgendwas geht immer.

Wir sehen uns 2015. In Rommerskirchen. Spätestens.

P.S.: Während wir hier eine kurze Zusammenfassung mit Bildern für die Cappuccino-Gruppe gemacht haben, kann man sich als Hi-Speed-Espresso-Pilot nahezu die gesamte Ausfahrt als abendfüllenden Spielfilm reinziehen. Und zwar hier.

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One Response to Der Klassiker für Klassiker – Ausfahrt und Börse in Rommerskirchen

  1. avatar Addi Holzenleuchter aus Kaarst. says:

    Das war eine tolle Sache das habt Ihr Super hin bekommen.Alle die Ich gesprochen habe waren Meiner Meinung.Weiter so!!Gruß Addi bis bald.

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