Dinge die uns bewegen Teil 2

Benjo Maso – Der Schweiß der Götter

Wenn man geneigt ist, nur ein einziges Buch über die Geschichte des Radsports zu lesen: hier ist es. Detailreich, kompetent und unterhaltsam bereitet der niederländische Soziologe, Historiker und Fan Benjo Maso Fakten, Anekdoten und Legenden aus der Welt des Radrennsports auf. Von den ersten Rennen im Jahr 1868 bis zu den Dopingskandalen der Neuzeit – kein Thema bleibt unberührt.

Ärzte warnten vor drohender Impotenz, Kriminologen erwarteten ein gesteigertes Aggressionspotential: nein, der Radsport wurde anfangs nicht von allen Seiten geliebt. Aber da bereits die Gewinner der ersten offiziellen Rennen stattliche, von Radherstellern gestiftete Summen einstreichen konnten, ließen sich immer wieder illustre Gestalten auftreiben, die in Rennen ihre Kräfte messen wollten. Auch für die schreibende Zunft erwiesen sich diese Hasardeure als gewinnbringend, die Geschichten über die Rennen halfen, Zeitungen an den Mann oder die Frau zu bringen. So einfach war und ist das Grundkonstrukt, das mit seinen Verflechtungen bis heute den Radsport bestimmt.

Benjo Maso vermag es mit seiner sachlichen, aber immer sympathisch- unterhaltsamen Art, alle Facetten dieser Allianz auszuleuchten. Er erklärt die Hintergründe und Entstehungsgeschichten von zahlreichen legendären Rennen, er korrigiert die Mythen und Fabeln rund um die heldenhaften Fahrer, alles, ohne auch nur eine Sekunde lang seine eigene Faszination für den Radsport zu verleugnen. Er verneigt sich vor der Tradition, kritisiert Fehlentwicklungen und ist in der Lage, Missstände wie die aktuellen pharmazeutischen Meisterschaften sachlich und ohne Polemik zu analysieren, ohne seine Liebe zum Radsport aus den Augen zu verlieren.

Es wäre wünschenswert, wenn die Veröffentlichung dieses Buches auch außerhalb der gängigen Radsportzirkel wahrgenommen wird, Masos Verweise auf kulturhistorische Zusammenhänge und die auch für Laien interessante Auseinandersetzung mit dem illustren Radsportzirkus machen es sicherlich auch für das Feuilleton interessant. Gerade in unserer Rennraddiaspora Deutschland kann ein Buch wie „Der Schweiss der Götter“ helfen, die hierzulande auf die ewiggleichen oberflächlichen Dopingklischees reduzierten Diskussionen in ein etwas differenzierteres Licht zu rücken. Schließlich hat kaum eine andere Sportart so viele faszinierende Geschichten, eine so reiche und beeindruckende Tradition zu bieten wie der Radsport. Benjo Maso weiß darüber Unglaubliches zu berichten.

Benjo Maso – Der Schweiss der Götter, Covadonga Verlag 2011, 978-936973-60-0

Erhältlich in gut sortierten Buchhandlungen. Oder auch hier: A&O Medien

Ebenfalls von Benjo Maso und nicht minder empfehlenswert ist das Buch „Wir alle waren Götter“ über die Tour der France 1948, ebenfalls im Covadonga Verlag erschienen.

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