Klassiker-Ausfahrt mit Stil, Stahl und einem kleinen Abflug
22. März, Sonntagmorgen, 10:00 Uhr, am Areal Böhler – und wer dachte, Radfahrer seien Langschläfer, wurde eines Besseren belehrt. Nach und nach rollten sie an: über 30 klassische Stahlrösser, hochglanz poliert und mit Besitzern, die mindestens genauso viel Patina und Charakter mitbrachten wie ihre Maschinen.
Pünktlich um 10:30 Uhr sollte es losgehen – sollte. Denn wie es sich für eine echte Klassiker-Ausfahrt gehört, gab es vor dem Start schon die erste Geschichte: Teilnehmer Karsten musste kurzfristig absagen, nachdem er sich am Vortag bei einer Probefahrt mit einem Brompton lang gelegt hatte. Wir sagen: Gute Besserung und bis zum nächsten Mal.
Dann aber: Abfahrt! Nachdem Kerstin von der Schicken Mütze das obligatorische Gruppenfoto in Szene gebracht hatte, übernahm ich an der Seite der besten Klassiker Ehefrau der Welt die Führung des Pelotons. Bei bestem Sonnenschein und frischen 10 Grad (also perfektes „Was ziehe ich an?“-Wetter) ging es Richtung Meerbusch. Die Route führte gemütlich über Feldwege, vorbei an Neuss, immer im Takt von surrenden Stahlrahmen und gelegentlichem Fachsimpeln über Schaltwerke, Steuersätze, Kurbekn und den einzig wahren Glanz von Chrom.
Nach rund 30 Kilometern dann der erste kulinarische Höhepunkt: Einkehr auf dem Hof von Jannis, dem Kopf hinter der Bulle Bäckerei. Was folgte, war ein Fest für hungrige Radfahrer – Focaccia mit Oliven und Pesto, leckere Mürbchen, dazu Kaffee und kühle Getränke. Kurz gesagt: Genau das, was man braucht, um sich einzureden, dass die nächsten Kilometer quasi von allein rollen.
Endlich Pause….
Frisch gestärkt ging es weiter, vorbei am Flughafen Mönchengladbach, Richtung Willich und Meerbusch. Alles lief wie geschmiert – bis kurz hinter Osterrath die Tour ihren ganz eigenen „epischen Moment“ bekam.
Immer noch an der Spitze des Feldes entschied ich mich – eher fremdgesteuert – wegen einer gemeinen Bodenwelle die Strecke um eine neue Dimension zu erweitern – nämlich nach unten. Ich machte einen spektakuläreren Abflug in einen etwa zwei Meter tiefen Graben, stilecht garniert mit Brombeersträuchern. Das Ergebnis: Kratzer am Knie, eine leichte Rippenprellung – und ein deutlich verbogenes Gabelende meines Koga Miyata. Prioritäten waren sofort klar: Mensch okay? Gut. Rad… naja, sagen wir: Gesprächsbedarf.
Spuren des Abgangs
Doch echte Klassiker-Fahrer lassen sich davon nicht aufhalten. Die Fahrt konnte fortgesetzt werden – vielleicht für mich nicht mehr ganz so elegant wie zuvor, aber dafür mit einer Geschichte mehr im Gepäck.
Nach insgesamt 66 Kilometern erreichte die Gruppe pünktlich wieder das Böhler-Gelände. Dort wartete dank des inkludierten Tickets die nächste Belohnung: die Messe selbst. Reihenweise wunderschöne Fahrräder, Zubehör und alles was das Herz des Radfahrers höher schlagen lässt. Und natürlich die Schmuckstücke der Schicken Mütze – inklusive der modernen Interpretation von Stahlrahmen beim Standpartner „Cicli Barco“ aus Italien.
Am Ende blieb vor allem eines: zufriedene Gesichter, viele Lacher und das Gefühl, Teil einer richtig guten Ausfahrt gewesen zu sein. Mit kleinen Hindernissen, großen Geschichten und der Gewissheit, dass Stahl nicht nur hält – sondern verbindet.
Bis zur nächsten Runde im Sommer. Und ich werde mich dann auch noch mehr bemühen beim nächsten Mal einfach auf der Straße zu bleiben 😉
Text: Volker Banken
Bilder: Kerstin Kortekamp & Volker Banken



















